Hallo Freunde,
ich bin total begeistert von Amritsar. Oder bessergesagt von dem Goldenen
Tempel der Sikh People. Sikh ist eine Religion, eine Mischung von Moslem und
Hindu, sie glauben an einen Gott. Die Sikhs sind unglaublich nett, das tut so
gut, nach den vielen falschen Menschen, die man trifft. Man wird staendig
gefragt: Your Country? Und ich bin mittlerweile in tausenden Familienfotoalben
abgebildet, manchmal mit Yukie, manchmal solo oder mit der ganzen Familie usw.
Der Goldenen Tempel ist absolut genial: Ein Gebaeude mitten in einem
rechteckigen See erreichbar per Bruecke. Bewegen muss man sich nur barfuss, was
recht ungemuetlich ist, vor allem wenn man einen Schnupfen hat. Man muss immer
mit Kopfbedeckung sein. Aber man darf fast alles fotografieren, ausser inerhalb
des Tempels. Aber die Menschen sind total gluecklich, wenn man sie
fotografiert. Die Gesichter sind gigantisch: Die Maenner haben lange Baerte, die sie
niemals schneiden. Es ist eines ihrer fuenf Sakramente: Haare niemals
Schneiden! Der Bart wird oft nach hinten oben gebunden, der Schnurrbart gerollt zur
Seite gestrichen. Sieht genial aus, aber es ist schwierig sie untereinander zu
unterscheiden, denn sie sehen irgendwie alle gleich aus! Auf dem Kopf haben
sie einen Turban (Kopfbedeckung, das 2. Sakrament) in allen Farben. Der Sebel
oder Dolch, ihre Unterhose (!!!!) und ein eisener Armreif sind die
restlichen Sakramente. Das mit der Unterhose find ich abgefahren, aber die muss immer
absolut sauber sein. Vermutlich findet man hier in Indien keine
hygienischeren Menschen als die Sikhs! Die Frauen sehen im Grunde aus wie man indische
Frauen kennt: wunderschoene bunte Gewaender und Pircings in der Nase.
Ich wohne hier neben dem Goldenen Tempel in einem Sarei, einer
Pilgerunterkunft fuer umsonst. Basic, aber dafuer hats was! Das Essen ist auch umsonst,
wie sozusagen alles hier umsonst ist!! Keine Ahnung, wie sich das alles
finanziert, vermutlich durch Spenden. Das Essen besteht eigentlich immer aus
Chapatis, eine Art flachem Fladenbrot und dicker Linsensuppe, die man mit dem
Chapati isst. Einfach, aber man gewoehnt sich dran! Bin ja schliesslich Low Budget
Traveller!
Die Kueche ist der absolute Hammer! Der Topf fuer die Suppe war so gross,
der ein alter Mann ihn von innen gereinigt hat, indem er reingestiegen ist. Es
werden 1600 Saecke Mehl fuer ca. 100000 Chapatis am Tag verbraucht. Die Zahl
kommt mir ein wenig hoch vor, aber es werden am Tag ca. 30000 Pilger mit
Essen versorgt.
Morgends gibts Milchtee mit Keksen, natuerlich auch umsonst! Ich liebe
diesen Platz!!!! Nicht weil alles umsonst ist, nein, aber man findet hier endlich
mal Ruhe vor den Rickscha Mosquitos!! Denn niemand erwartet Geld von einem.
Vorgestern waren Yukie und ich an der Grenze zu Pakistan und da habe ich
eine Fahnenzeromonie erlebt die mich absolut begeistert hat:
Auf beiden Seiten ist eine Art Stadion erbaut, in denen vielleicht 10000
Menschen Platz finden. Gegenseitig schreit man dann Parolen ueber den Zaun und
lobt sein eigenes Land. Dann wir das Tor geoeffnet und die Grenzpolizei holt
in einer total witzigen Zeromonie, fast ein Schauspiel die Fahnen des eigenen
Landes von der Fahnenstange runter. Dabei tun sie ganz beleidigt. Dieses
Schauspiel ist vermutlich einzigartig in der Welt und kommt daher, dass Pakistan
einst India war. Von dem Krieg in Afganistan merkt man hier eigentlich gar
nichts!
Sodele, wiedermal so viel geschrieben! Morgen gehts weiter nach Daramsalah,
zum Dailah Lahma.
Lasst es Euch gutgehen!!!!!
Euer Christoph.
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