Hallo Freunde...

heute ist der 29. Dezember, 2001. Vor knapp einem Jahr bin ich losgezogen,
um andere Kulturen, Sehenswuerdigkeiten, Landschaften, Menschen, Religionen
und andere Lebensphilosophien kennenzulernen. Ich habe auf dieser Reise jedoch
so viel mehr erlebt und gesehen, als ich mir jeh haette traeumen lassen. Ich
bin sehr gluecklich! Ich hebe mir sehr viele Fragen gestellt und viele fuer
mich beantwortet!

Als ich meine Vorbereitungen getroffen habe, haben viele Freunde und
Bekannte gemeint, so viel Mut haetten sie nicht, um so eine Reise zu tun. Aber ich
sage, es gehoert nicht Mut dazu, um eine solche Reise zu starten. Aber es ist
ein sehr schwerer Schritt, alles hinter sich zu lassen. Das ist mir damals
erst am Flugplatz klargeworden. Aber manchmal muss man eine schoene Sache
aufgeben, um eine noch schoenere zu erleben.

Ich denke, vor allem der uns Deutschen so wichtige Sicherheitswunsch ist
sehr schwierig zu ueberwinden, denn man weiss nicht was kommt, alles ist
unsicher. Aber genau das ist der Reiz, sich dem Zufall oder dem Schicksal voellig
auszuliefern und mit der Situation umzugehen. Dabei habe ich viel gelernt!

Fast wie in einem ganzen Leben habe ich unglaublich viele Phasen an mir
selbst erlebt:
Angst, Einsamkeit, Zaertlichkeit, Unentschlossenheit, Kraft, Vertrauen,
Liebe, Weissheit, Dummheit, Enttaeuschung, Trauer, Freude, Aroganz, Heimweh,
Freundschaft, Glueck, Kraftlosigkeit, Erfolg....

Lo, ein lieber Freund aus Malaisien hatte mir in mein Buch geschrieben: 
--Every One is a temporary visitor and traveller of this world. So take
nothing but experience, leave nothing but wisdom.--

Das schlimmste, was einem meiner Meinung nach im Leben passieren kann, dass
man aufhoert zu traeumen und vergisst, Traeume zu realisieren. Aber was ist
mit Karriere? Es gibt ein tolles Sprichwort ich glaube aus China:
--Als Du geboren wurdest, hast Du geweint und alle haben gelacht und waren
gluecklich. Lebe Dein Leben so, dass wenn Du stirbs, Du lachst und gluecklich
bist, und alle anderen weinen.-- Jeder muss selbst rausfinden, wie man
wirklich gluecklich wird und sich selbst fragen: Was will ich wirklich? Ich habe
oft erlebt, dass im Beruf gestresste Menschen vergessen sich das zu fragen oder
besser davor weglaufen indem sie sich in Arbeit vergraben. Ein eigenartiges
Phaenomen! Wie ein Teufelskreis: Viel Arbeit - wenig freie Gedanken - weniger
Traeume - mehr Bestaetigung im Beruf - mehr Arbeit .... usw...

Genug philosophiert!
Ich moechte mich bei allen entschuldigen, die mir geschrieben haben, aber
ich nicht geantwortet habe! Auf diesem Verteiler sind mittlerweile 106
Empfaenger, unmoeglich, jeder Mail zu antworten. Und ich moechte mich bedanken bei
allen, die trotzdem geschrieben haben! Oft haben Eure Mails mir geholfen, ueber
ein Tief hinwegzukommen. Internet ist eine feine Sache! Es ist fast ueberall
in der Welt in den hintersten Ecken der aermsten Laender verfuegbar.

Auf dem Weg nach Bangkok hatte mir Andreas, den im im Zug kennenlernte in
mein Tagebuch geschrieben:
--Reisen - losziehen mit Tatonka un VauDe, die Welt kleiner werden lassen,
Menschen erleben, doch sind alle irgendwie gleich. Unterschiede erkennt man im
Groben und im Feinen....
Ich steige ins Tuk Tuk ein, der Preis wird verhandelt, die vier fahren los
in Richtung Bahnhof. Neben mir sitzt einer aus Deutschland, lustig sieht er
aus mit dem Rucksack, der seine eigene Groesse beinahe uebertrifft, der
Gitarre, die Kappe auf dem Kopf und den blauen Augen, die aus den hellen Glaesern
leuchten. Er reist alleine, einer von denen, die alleine Reisen, ein
Individualist. Woher er kommt frage ich erst gar nicht, wir kommen beide aus
Deutschland, das soll reichen!
Chris zeigt mir seine Kamera, erzaehlt mir von Brasilianischen
Schoenheitsgoettinen, von der Peruanischen Schuechternheit. Er strahlt Ruhe aus, hoert zu,
antwortet bedaechtig, selbstbewust und klar.
Mir scheint, er hat einen guten Weg gewaehlt.--

Ich warte, in 12 Stunden geht mein Flieger nach Frankfurt. Die letzte
Etappe. Als ich in New Zealand das letzte mal mein Flugplan geaendert hatte, habe
ich mich entschlossen, mir als Geburtstagsgeschenk die Heimreise zu schenken.
Ich freue mich unglaublich!!!

Danke!

Bis die Tage...
Euer Christoph. ;-)